Zum Beschluss der Marzahn-Hellersdorfer Bezirksverordnetenversammlung ihre Sitzungen künftig live ins Internet zu übertragen, erklären das Mitglied der Linksfraktion Marzahn-Hellersdorf, Bjoern Tielebein und das Mitglied der bündnis-grünen Fraktion Christian Fender:
Nach monatelangem Ringen hat die BVV in ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag nunmehr einen Beschluss gefasst, die Sitzungen für alle BürgerInnen transparent ins Internet zu übertragen. Diesem war ein Antrag von LINKEN und Bündnis-Grünen vorausgegangen.
Der Hauptausschuss hatte sich mehrfach mit dem Antrag befasst und einen Kompromiss erarbeitet. Dieser sah vor, dass sich der Ältestenrat verständigt, ausgewählte Debatten ins Internet zu übertragen. Dennoch blieben weitergehende Auffassungen zu Recht bestehen.
Die Fraktion der BündnisGrünen ermöglichte es durch ihren Änderungsantrag, dass die Bezirksverordneten letztlich im Plenum alternativ zwischen dem Kompromiss und der Ursprungsintention, die Sitzungen komplett zu übertragen, abstimmen konnten. In geheimer Abstimmung erreichte der Änderungsantrag eine breite Mehrheit von 34 Ja Stimmen, neun Nein Stimmen und zwei Enthaltungen. Die letztliche Abstimmung über den Gesamtantrag hatte keine Gegenstimmen und nur wenige Enthaltungen.
Somit wird die BVV nunmehr die Voraussetzungen schaffen, dass alle BürgerInnen künftig die Möglichkeit haben sich über das politische Geschehen in der BVV über Internet direkt noch besser zu informieren.
Ein solcher Beschluss konnte nur durch die enge Zusammenarbeit aller Fraktionen in der BVV zustande kommen. Das Abstimmungsergebnis macht deutlich, dass es gelungen ist eine breite parlamentarische Mehrheit für dieses spannende Projekt zu gewinnen.
Marzahn-Hellersdorf ist damit VorreiterIn in Berlin in Sachen „Gläsernes Rathaus“. Wir hoffen, dass sich auch andere Bezirke anschließen werden. DIE LINKE und Bündnis 90/ Die Grünen werden sich auch weiterhin für ein hohes Maß an Transparenz einsetzen. Hierzu zählen vor allem Möglichkeiten, dass BürgerInnen sich nicht nur besser informieren, sondern auch tatsächlich mitentscheiden können.


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Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke kritisieren geheime „Wohnungsbau-Turbo“-Vorlage – wenige Wochen nach der Wahl und zugunsten eines Investors mit Verbindungen zur CDU
Ein neues Wohnquartier nebenan – und alle in der Nachbarschaft wissen vorher, wie es aussehen wird, ihre Einwände wurden geprüft, und die gewählten Bezirksverordneten haben mitentschieden. So sollte Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf laufen. An der Hiltrudstraße passiert gerade das Gegenteil.
Mit der Vorlage Nr. 1597/VI vom 7. Oktober 2026 will das CDU-geführte Bezirksamt dem Vorhaben des Projektentwicklers Laborgh auf der ehemaligen Kleingartenanlage zustimmen: 304 Wohnungen in elf Gebäuden mit vier bis fünf Geschossen und Tiefgarage. Erlaubt wären dort heute nur Einzel- und Doppelhäuser mit höchstens zwei Geschossen – das räumt die Vorlage selbst ein. Der Bebauungsplan, der das ändern soll, ist nicht fertig: Die zahlreichen Einwendungen aus der Nachbarschaft sind noch gar nicht ausgewertet. Mit dem sogenannten „Wohnungsbau-Turbo“, einer befristeten Sonderregel im Baugesetzbuch, möchte das Bezirksamt einfach an ihnen vorbei genehmigen.
Besonders brisant: Laut Beschlussentwurf soll die Vorlage der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) nicht vorgelegt und nicht veröffentlicht werden. Auch ob Kita- und Schulplätze, Spielflächen und der Ausbau der Hiltrudstraße ausreichen, regelt laut Vorlage ein städtebaulicher Vertrag mit Laborgh vom September 2026, über den damit niemand öffentlich beraten kann. Und das wenige Wochen nach der Wahl vom 20. September, kurz bevor sich die neue BVV konstituiert und ein neues Bezirksamt wählt. Auf die Bitte, die Vorlage nicht zu beschließen, hat die CDU nicht geantwortet.
Hinzu kommt: Laborgh-Geschäftsführer Florian Lanz und der frühere CDU-Abgeordnete Christian Gräff sind laut öffentlich einsehbaren Unternehmensdaten geschäftlich verbunden. Die hastig beschlossene Vorlage seiner Kolleg/innen hat damit einen Beigeschmack. Zudem entsteht der Eindruck, dass die Situation im Übergangszeitraum zwischen neuer und alter BVV ausgenutzt wird.
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Björn Thielebein (Die Linke) ergänzt: „Wie brauchen auch in Biesdorf bezahlbare Mietwohnungen, bestenfalls in öffentlicher Hand. Es darf nicht sein, dass kurz vor Ende der Wahlperiode hinter verschlossenen Türen Tatsachen geschaffen werden. Die CDU tut mit ihrer Hinterzimmerpolitik nur dem Investor einen Gefallen, nicht aber den Mieterinnen und Mietern in dieser Stadt. Denn solche Projekte müssen im Einvernehmen mit und nicht gegen die Nachbarschaft entstehen. Wir haben eine Sondersitzung der BVV einberufen, um diesen Prozess zu stoppen. Die Anliegen der Menschen vor Ort müssen ernst genommen werden, statt sie durch administrative Tricks zu übergehen.“
Die Sondersitzung wird am kommenden Dienstag, den 20.10. öffentlich stattfinden.
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