60 Jahre Mauerbau – das ist ein trauriges Jubiläum, an dem wir der Opfer und Mauertoten gedenken. Dass sie errichtet wurde, war eine Frage der Legitimation des „sozialistischen Staates“ DDR, der die Menschen davonliefen. Viele sahen die totale Grenzschließung kommen, auch wenn Ulbricht sagte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“
Als sie dann doch sehr „überraschend“ errichtet wurde, brachte sie dramatische Veränderungen für die Bevölkerung mit sich. Ganz besonders in Berlin, wo die Menschen Jahre lang grenzüberschreitend gearbeitet hatten und über Nacht ihren Job verloren. Und überall im Land für viele Familien, die getrennt wurden, weil sie in beiden Landesteilen Angehörige hatten, deren Kinder gerade „auf der anderen Seite“ bei Verwandten ihre Ferien verbrachten. Aber vor allem für die Menschen, die gegen staatliche Willkür aufbegehrten und mit ihrem Leben dafür bezahlen mussten.
Nicht ganz so plötzlich und auch nicht wirklich absehbar verschwand sie in dem aufregenden Jahr 1989 mit widersprüchlichen Ereignissen. Im Sommer die „Botschaftsflüchtlinge“, dann Reiseerleichterungen bei Verwandtenbesuchen, aber ein bedrohlicher 7. Oktober, bei dem zwar aus den staatlich verordneten Aufmärschen „Gorbi“ Jubelschreie zugerufen wurden, aber ein Aufgebot an Sicherheitskräften und die unauffälligen Männer im Trenchcoat eine bedrohliche Atmosphäre erzeugten. Auch Honeckers Äußerung zur Mauer „Die Mauer wird so lange bleiben, wie die Bedingungen nicht geändert werden, die zu ihrer Errichtung geführt haben. Sie wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen […]“ war gegenwärtig.
Dann überstürzten sich die Ereignisse mehr und mehr und es wuchs zusammen, was zusammengehörte. Das war nirgends so augenscheinlich wie in Berlin, wo beispielsweise zugedreckte, merkwürdigerweise nie wirklich entfernte oder unkenntlich gemachte, U-Bahn-Eingänge wiederbelebt wurden. Aber was die Wiedervereinigung der zwei deutschen Staaten für die Menschen im Osten mit sich brachte, hat Auswirkungen bis heute. Nur ein paar Schlagworte, die alle Abend füllender Diskussionen bedürften: Strukturwandel, Treuhand, Stasi-Aufarbeitung, Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit, Abwanderung, Radikalisierung, Phobien jeglicher Art usw. usf.. Dennoch besteht Anlass, sich zu freuen, dass die 1989er Ereignisse einen Systemwandel mit sich brachten, die repressiven Verhältnisse in den Ostblock-Ländern sich auflösen konnten ganz ohne Gewalt. Wir gedenken „60 Jahre Mauerbau“ einer Mauer, die nicht mehr trennt. Nun gilt es, die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden und mit ihr gemeinsam die drängenden Probleme anzugehen, hier und global: Umbau der Wirtschaft von Wachstum zu Nachhaltigkeit, Bewahrung unseres Planeten, Überwindung von Armut und Hunger.



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