Bündnis 90/Die Grünen und die CDU haben die veränderten Mehrheitsverhältnisse nach der Wiederholungswahl zum Anlass genommen, sich über eine bezirkspolitische Zusammenarbeit in Marzahn-Hellersdorf zu verständigen. Dabei haben die Parteien und Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und der CDU am Montag, dem 24. April 2023, eine Vereinbarung abgeschlossen.
Mit dem Abschluss der Vereinbarung möchten wir wichtige Projekte fortführen, die Umsetzung des eingeschlagenen Weges absichern und die Belastbarkeit der Zusammenarbeit erproben.
Dabei haben wir uns darauf verständigt, uns für eine positive Baumbilanz und gegen die massive Verdichtung in den Innenhöfen einzusetzen. Durch die Schaffung von 10 km neuer Fahrradstraßen wird die Verkehrssicherheit in Marzahn-Hellersdorf erhöht. Durch die geplante Beauftragung einer Machbarkeitsstudie der Tram-Strecke zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf soll auch der ÖPNV weiter betont werden. Unser Projekt eines Regenbogenzentrums werden wir weiter umsetzen, um einen festen Anlaufpunkt für die LSBTIQ*-Community in Marzahn-Hellersdorf zu schaffen.
Dazu erklärt Maren Tepper, Sprecherin des bündnisgrünen Kreisverbandes:
„In den vergangenen Monaten konnten wir viele wichtige Projekte für unseren Bezirk anstoßen, die wir fortsetzen möchten. Denn wir setzen uns auch weiter für einen grünen und gerechten Bezirk ein. Wir freuen uns, dass wir durch konstruktive Gespräche mit der CDU auch für strittige Projekte Lösungen finden konnten, welche in der Vereinbarung festgehalten wurden. Wir streben eine gute Zusammenarbeit mit allen demokratischen Parteien an. Klar ist aber auch, dass wir die Arbeit des Bezirksamtes weiterhin kritisch begleiten werden.“
Dazu erklärt Pascal Grothe, Fraktionsvorsitzender der bündnisgrünen BVV-Fraktion:
„Wir werden die Regierungsarbeit der neuen Schwarz-Roten Koalition im Land und im Bezirk streng begleiten und die Themen Klima- und Baumschutz, Mobilität für alle und Gleichstellungsfragen weiter stark vertreten. Die Vereinbarung ermöglicht es uns, mit mehr Bündnisgrünen Personen in den Ausschüssen vertreten zu sein und für diese Punkte zu werben, zu diskutieren und diese ins Licht zu rücken.“
Den Text der Vereinbarung finden Sie hier.
Hinweis: Das oben zu sehende Foto darf als Pressefoto im Rahmen der Berichterstattung unter Angabe des Urhebers (Dennis Lenz, 2023) verwendet werden. Die Datei in voller Auflösung finden Sie hier. Zu sehen sind v. l. n. r.: Chantal Münster, Christian Gräff, Max Linke, Maren Tepper, Nadja Zivkovic, Johannes Martin, Pascal Grothe.



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Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke kritisieren geheime „Wohnungsbau-Turbo“-Vorlage – wenige Wochen nach der Wahl und zugunsten eines Investors mit Verbindungen zur CDU
Ein neues Wohnquartier nebenan – und alle in der Nachbarschaft wissen vorher, wie es aussehen wird, ihre Einwände wurden geprüft, und die gewählten Bezirksverordneten haben mitentschieden. So sollte Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf laufen. An der Hiltrudstraße passiert gerade das Gegenteil.
Mit der Vorlage Nr. 1597/VI vom 7. Oktober 2026 will das CDU-geführte Bezirksamt dem Vorhaben des Projektentwicklers Laborgh auf der ehemaligen Kleingartenanlage zustimmen: 304 Wohnungen in elf Gebäuden mit vier bis fünf Geschossen und Tiefgarage. Erlaubt wären dort heute nur Einzel- und Doppelhäuser mit höchstens zwei Geschossen – das räumt die Vorlage selbst ein. Der Bebauungsplan, der das ändern soll, ist nicht fertig: Die zahlreichen Einwendungen aus der Nachbarschaft sind noch gar nicht ausgewertet. Mit dem sogenannten „Wohnungsbau-Turbo“, einer befristeten Sonderregel im Baugesetzbuch, möchte das Bezirksamt einfach an ihnen vorbei genehmigen.
Besonders brisant: Laut Beschlussentwurf soll die Vorlage der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) nicht vorgelegt und nicht veröffentlicht werden. Auch ob Kita- und Schulplätze, Spielflächen und der Ausbau der Hiltrudstraße ausreichen, regelt laut Vorlage ein städtebaulicher Vertrag mit Laborgh vom September 2026, über den damit niemand öffentlich beraten kann. Und das wenige Wochen nach der Wahl vom 20. September, kurz bevor sich die neue BVV konstituiert und ein neues Bezirksamt wählt. Auf die Bitte, die Vorlage nicht zu beschließen, hat die CDU nicht geantwortet.
Hinzu kommt: Laborgh-Geschäftsführer Florian Lanz und der frühere CDU-Abgeordnete Christian Gräff sind laut öffentlich einsehbaren Unternehmensdaten geschäftlich verbunden. Die hastig beschlossene Vorlage seiner Kolleg/innen hat damit einen Beigeschmack. Zudem entsteht der Eindruck, dass die Situation im Übergangszeitraum zwischen neuer und alter BVV ausgenutzt wird.
Pascal Grothe (Bündnis 90/Die Grünen) betont: „Ich bin für neue Wohnungen in Biesdorf, und dass hier geförderte Wohnungen entstehen sollen, begrüße ich ausdrücklich. Aber wer über 300 Wohnungen mitten in eine Siedlung aus Einfamilienhäusern setzt, muss das offen tun – vor der Nachbarschaft und vor der BVV. Ein Bezirksamt, dessen Amtszeit nach der Wahl ausläuft, darf so eine Entscheidung nicht im Stillen treffen. Ich will wissen, was das Projekt für Verkehr, Kitas und Schulen in Biesdorf-Nord bedeutet, und ich will ein Quartier, das so wenig Boden wie möglich versiegelt und von der Nachbarschaft akzeptiert ist. Das klärt man in einem ordentlichen Verfahren, nicht mit einer Abkürzung.“
Björn Thielebein (Die Linke) ergänzt: „Wie brauchen auch in Biesdorf bezahlbare Mietwohnungen, bestenfalls in öffentlicher Hand. Es darf nicht sein, dass kurz vor Ende der Wahlperiode hinter verschlossenen Türen Tatsachen geschaffen werden. Die CDU tut mit ihrer Hinterzimmerpolitik nur dem Investor einen Gefallen, nicht aber den Mieterinnen und Mietern in dieser Stadt. Denn solche Projekte müssen im Einvernehmen mit und nicht gegen die Nachbarschaft entstehen. Wir haben eine Sondersitzung der BVV einberufen, um diesen Prozess zu stoppen. Die Anliegen der Menschen vor Ort müssen ernst genommen werden, statt sie durch administrative Tricks zu übergehen.“
Die Sondersitzung wird am kommenden Dienstag, den 20.10. öffentlich stattfinden.
Beide Fraktionen fordern: Die Vorlage muss zurückgezogen, der BVV vorgelegt und veröffentlicht werden. Das Bebauungsplanverfahren ist mit allen Einwendungen ordentlich abzuschließen – und die Entscheidung trifft das neu gewählte Bezirksamt mit der BVV.
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